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Schrank mit zahlreichen Ausstellungsstücken

Handwerks- und Industriemuseum Fellenbergmühle


Herstellung: von bis
in: Merzig

Merkmale

Inventarnummer:
2017FMF0095
Anzahl:
1 Stück
Objektbezeichnung:
Schrank mit zahlreichen Ausstellungsstücken
weitere Objektbezeichnung:
Werkzeuge, Zubehörteile, Kleinmaschinen etc.
Material:
Metall (Schrank)
Papier (Lehrbuch, Urkunde)
Glas (sonstige Exponate)
Papier (Lehrbuch
Urkunde)
Maße:
Gesamt: H: 192 cm, B: 119 cm, T: 25 cm (Schrank)

Beschreibung

Schrank mit zahlreichen Ausstellungsstücken (Werkzeuge, Zubehörteile, Kleinmaschinen etc.).

Der vorliegende gläserne Wandschrank ist ca. 1,92 m hoch und bei einer Tiefe von 0,25 m etwa 1,19 m breit. Er enthält - zu einer Inventarnummer zusammengefasst - zahlreiche Ausstellungsstücke, die entweder dem ehemaligen Werkstattbetrieb der feinmechanischen Werkstatt in der Fellenbergmühle entstammen oder dem Museum seit seiner Eröffnung im Jahr 1997 als Schenkung oder Leihgabe zugetragen wurden.
Abgesehen von den beiden unteren Fächern, deren Ausstellungsstücke einer eigenen Inventarnummer entsprechen (Inv.-Nr. 2017FMF0126), verteilen sich die restlichen Exponate auf vier übereinander liegende Regalböden.

1.) Das oberste Regal enthält von links nach rechts folgende Exponate:

a.) mehrere Metall-Stempel/Matrizen für den Druck von Werbeprospekten. Als zu druckende Motive liegen beispielsweise u.a. die Universal-Stanz- und Triebnietmaschine "Multiplex" und die Trauring-Gravier-Maschine "Cardan" vor.

b.) die Kopie der Reichspatent-Urkunde für die Trauring-Gravier-Maschine "Cardan", welche am 22. Mai 1928 vom Reichspatentamt für den Erfinder und Konstrukteur des Geräts, Johann Peter Hartfuß, den Gründer und ersten Inhaber der feinmechanischen Werkstatt in der Fellenbergmühle, ausgestellt wurde (Nr. 531852; vgl. die Graviermaschinen "Cardan" Inv.-Nrn. 2017FMF0092 und 0093). Die Werkstatt stellte im Folgenden für Uhrmacher und Juweliere eine serienfähige Version der Graviermaschine "Cardan" her und vertrieb sie in großer Stückzahl.

c.) eine spanisches Modell der Trauring-Gravier-Maschine "Cardan" (zu Konstruktion und Funktion des Geräts siehe bei den unter b.) angegebenen Vergleichs-Inventarnummern).

d.) eine Tabelle zur Ermittlung von Transmissionsantrieben von J. Thees. Zur Antriebsart mittels Transmission siehe unten).

e.) der Rohling eines Scharniers eines Flugzeugs.

f.) ein Höhenreißer, der ein Gesellenstück von Peter Wannemacher aus Keuchingen darstellt (Leihgabe).
Ein Höhen- oder Parallelreißer ist ein Werkzeug, das für das Anreißen von Linien überwiegend in Metallwerkstückoberflächen benötig wird. Höhenreißer bestehen in der Regel aus einem schweren Standfuß, auf dem vertikal ein Ständer mit Skala angebracht ist. Des Weiteren sind sie mit einer geschärften Klinge, die beim Einsatz gerade Linien in die parallel zur Auflagefläche liegenden Fläche einritzt, ausgestattet. Den Ständer umschließt eine mit einem Nonius arbeitende, vertikal bewegliche Einheit, dessen Reißnadel sich mittels Schrauben horizontal verstellen lässt.
Als Gesellenstück wird das im praktischen Teil der Gesellenprüfung herzustellende Werkstück bezeichnet. Bei Prüfungen im Geltungsbereich der Handwerksordnung muss der Auszubildende ("Lehrling") als angehender Handwerksgehilfe ("Geselle") bei der Anfertigung des Werkstücks die speziellen Fähigkeiten unter Beweis stellen, die er während der Ausbildung erworben haben sollte (praxisbezogene, sachgerechte Umsetzung des Fachwissens, logisches und praktisches Denken).
In der Regel müssen zwei Ausfertigungen des Gesellenstückes innerhalb einer vorgegebenen Zeitspanne verfertigt werden, welche nach der Fertigstellung von dem Prüfungsausschuss der zuständigen Innung in Bezug auf Herstellungsprozess und -ergebnis bewertet und benotet werden.


2.) Das zweite Regal von oben enthält von links nach rechts folgende Exponate:

a.) mehrere Spannzangen in unterschiedlichen Ausführungen, welche bei verschiedenen Maschinen der feinmechanischen Werkstatt in der Fellenbergmühle (u.a. Dreh-, und Fräsmaschinen) in der Regel dazu verwendet wurden, die zu bearbeitenden Werkstücke zu halten.

Zu Spannzangen generell:
Spannzangen sind Spannmittel, um Werkstücke oder Werkzeuge mit hoher Genauigkeit schnell und fest (kraftschlüssig) sowie genau zentrisch aufzuspannen. Sie finden sowohl bei Werkzeugmaschinen als auch bei von Hand zu betätigenden Einrichtungen (Fräser oder kleine Bohrer) Verwendung und sind für höchste Drehzahlen geeignet.
Eine Spannzange besteht aus einer außen kegelförmigen radial geschlitzten Hülse mit einer runden, gelegentlich auch quadratischen oder sechseckigen Bohrung definierter Größe. Zu einer Spannzange gehört eine Spannzangenaufnahme mit einem passenden Innenkegel. Gespannt wird, indem die Spannzange in den Innenkegel der Spannzangenaufnahme gezogen wird - an Maschinen lassen sich so oftmals Spannzangen mit Morsekegel direkt in der Pinole spannen. Durch die Schlitzung der Spannzange wird die Bohrung in ihrem Innern gleichmäßig zusammengedrückt, wodurch das Werkstück oder Werkzeug gleichmäßig und somit kraftschlüssig festgehalten wird. Der Spannbereich einer Spannzange ist sehr gering, wodurch für verschiedene Durchmesser verschiedene auswechselbare Spannzangen mit entsprechenden Abmessungen benutzt werden müssen. Die Spannzangenaufnahme ist entweder fest in die Arbeitsspindel der Maschine integriert oder wird als Werkzeug in der Werkzeugaufnahme aufgenommen.

b.) zwei halbe "Multiplex"-Teile aus Gusseisen. Zu der Universal-Stanz- und Triebnietmaschine vergleiche insbesondere unter den Inventarnummern 2017FMF0088 und 0089.

c.) Halter für den Stichel der Trauring-Graviermaschine "Cardan" (vgl. hierzu die Graviermaschinen "Cardan" (Inv.-Nrn. 2017FMF0092 und 0093).

d.) mehrere Lochplatten (Stanzmatrizen) für die Universal-Stanz- und Triebnietmaschine "Multiplex".

e.) eine Vorrichtung zum Fräsen von Zahnrädern, welche an den Uhrmacherdrehstühlen in der feinmechanischen Werkstatt in der Fellenbergmühle betrieben werden konnte (vgl. hierzu die Drehstühle mit den Inv.-Nrn. 2017FMF0038, 2017FMF0043 und 0056). Die Vorrichtung besitzt einen Fräser, der über eine zweistufige Riemenscheibe angetrieben wurde.

3.) Das dritte Regal von oben enthält von links nach rechts folgende Exponate:

a.) mehrere Matrizen für den Druck von Werbeprospekten. Als zu druckendes Motiv liegt beispielsweise u.a. die Trauring-Gravier-Maschine "Cardan" vor.

b.) ein rechteckiges Holzbrett, in das als Zubehörteile in mehreren Reihen zahlreiche Punzen für die Universal-Stanz- und Triebnietmaschine "Multiplex" gesteckt sind.
Eine Punze - auch Punziereisen, veraltet auch Bunze genannt - ist ein Schlagstempel (Werkzeugstahl mit Rund- oder Vierkantprofil) zur Metallbearbeitung. Im Kunst- und Goldschmiede-, sowie im Graveur- und Uhrmacherhandwerk treten Punzen in vielen Variationen und Anwendungen auf. Das eine Ende einer Punze ist der jeweiligen Anwendung gemäß geformt und gehärtet, auf das andere - plane und ungehärtete - Ende wird mit dem Hammer geschlagen oder, wie im Falle der Uhrmacherstanze "Multiplex", lediglich starken (Press-)Druck ausgeübt.

c.) ein Lehrbuch der "Fräserei".

4.) Das vierte Regal von oben enthält von links nach rechts folgende Exponate:

a.) zwei Stickstofffüllmanometer, welche in der feinmechanischen Werkstatt in der Fellenbergmühle im Eigenbau und zur eigenen Verwendung verfertigt wurden.

b.) Zubehörteile zu einer Ringerweiterungs- und verengungsmaschine (mehrere dreigeteilte Backen, die in ein kleines rechteckiges Holzbrett eingesteckt sind). Zur Funktionsweise der Erweiterungsbacken siehe Inv.-Nr. 2017FMF0072.

c.) eine Maschine zum Erweitern und Verengen von Ringen.
Die von Johann Peter Hartfuß, dem Gründer und ersten Inhaber der feinmechanischen Werkstatt in der Fellenbergmühle im Eigenbau hergestellt wurde Hand zu betreibende Vorrichtung diente dazu, Fingerringe - insbesondere Trauringe - auf ein gewünschtes Passmaß zu verengen oder zu erweitern. Vergleiche zu Aufbau und Funktionsweise der Maschine die baugleiche Vorrichtung Inv.-Nr. 2017FMF0072.

d.) kleines hölzernes Zubehörkästchen mit mehreren auswechselbaren Gegendruckwalzen in verschiedenen Größen, die zu der Ringerweiterungsmaschine "Saturn" gehören. Vgl. hierzu die Inv.-Nrn. 2017FMF0075, 2017FMF0094, 2017FMF0096 und 0097.

e.) ein kleines Steckbrett mit mehreren Zahlenstempeln für die Uhrmacherstanze "Multiplex" (vgl. Inv.-Nrn. 2017FMF0088 und 0089).

f.) ein Diamant-Stichel für die Trauring-Graviermaschine "Cardan" (vgl. Inv.-Nrn. 2017FMF0092 und 0093).

g.) das Mittelstück einer Trauring-Graviermaschine "Cardan" - es handelt sich dabei um das am senkrechten Holm drehbar angebrachte Bauteil, in welches die ebenfalls drehbare Werkstückhalterung mit der Führungsnadel eingehängt wurde. Die Kombination der Bauteile ergibt ein halbes Cardan-Gelenk, wodurch sich die gesamte Konstruktion in alle Richtungen frei bewegen lässt (vgl. die vorherig angegebenen Inventarnummern).