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Schlackenstück

Europäischer Kulturpark Reinheim


Herstellung: von bis

Merkmale

Inventarnummer:
2013REI0414
Anzahl:
1 Stück
Objektbezeichnung:
Schlackenstück
Sachgruppe:
Industrie (Verhüttung/Eisenherstellung)
Maße:
Gesamt: B: 8 cm (ca.), L: 10 cm (ca.)

Beschreibung

Metall-Schlacken.

Bei den beiden ausgestellten, bis zu 10 cm messenden Schmiedeschlacken handelt es sich um repräsentative Beispiele der zahlreichen während den Sondagen und anschließenden Ausgrabungen von spätantiken Gruben vor dem Nebengebäude B3 gefundenen Metallschlacken (Bronze, Eisen). Sie gehörten zusammen mit Gefäßscherben (sog. geflammte Ware und Argonnen-Sigillata) und Baumaterial zur Verfüllung der innerhalb des Wirtschaftshofes der Villa liegenden (Abfall-)Gruben. Besonders in der späten Nutzungsphase der Villa wurden in den Nebengebäuden oftmals Werkstätten u. a. auch zur Metallwiederverwertung und -verarbeitung eingerichtet. Ein 313/14 n. Chr. in London geprägter Nummus des Constantinus I. (306-337 n. Chr.) datiert die Befunde der Gruben - und somit der Schlacken - ins fortgeschrittene 4. Jh.. n. Chr.

Zur Villa:
Die Villa wurde in der Mitte des 1. Jh. n. Chr. ca. 300 m nördlich des kurz zuvor entstandenen vicus von Bliesbruck über einer Nekropole aus der späten Bronze- und Eisenzeit errichtet. Das ländliche Domizil weist eine Gesamtgröße von 7 ha auf und gliedert sich in einen herrschaftlichen Wohnbereich (pars urbana) mit Hauptgebäude und ein längsaxiales, von einer Mauer umschlossenes Hofareal (pars rustica)mit zwölf Wirtschaftsgebäuden. Dies entspricht einem charakteristischen Bautypus der gallischen und germanischen Provinzen, welcher im römischen Mutterland nicht vorkommt und auf einheimisch-keltische Traditionen zurückgeht. Bisher sind über 130 solcher Villenanlagen bekannt. Die Villa von Reinheim überragt die anderen lokalisierten Anwesen der Umgebung an Größe und Repräsentation und streicht so den privilegierten Status seiner Erbauer heraus (soziale Oberschicht Ostgalliens). Nach teilweiser Zerstörung und einem erweiterten Wiederaufbau zu Ende des 2. Jh. n. Chr. erreichte die Anlage ihren repräsentativsten und herrschaftlichsten Charakter. Durch die Germaneneinfälle in der zweiten Hälfte des 3. Jh. und der Mitte des 4. Jh. n. Chr. erfuhr die Villa zunächst Funktionsänderungen, bevor sie nach Zerstörungen ganz aufgegeben wurde.
Der mauerumstandene Wirtschaftshof schloss sich südlich an das Hauptgebäude an, maß 300 x 135 m und nahm eine Fläche von 4,5 ha ein. Während sich an den Längsseiten parallel zueinander die jeweils sechs Nebengebäude reihten, befand sich in der Mittelachse im Süden ein Torhaus (Gebäude B1 - B13).

Literatur

Stinsky, Andreas: Die Villa von Reinheim. Ein ländliches Domizil der gallo-römischen Oberschicht, Mainz, 2016, S. 37-43, 48-51, Abb. Nr. 44, 46f
Sarateanu-Müller, Florian: Die Villenanlage von Reinheim (=Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim. 2500 Jahre Geschichte. Dossiers d'Archéologie, Sonderheft Nr. 24), 2013