zurück

Scharnierflügelfibel

Europäischer Kulturpark Reinheim


Herstellung: von bis

Merkmale

Inventarnummer:
2013REI0323
Anzahl :
1 Stück
Objektbezeichnung:
Fibel
weitere Objektbezeichnung:
Scharnierflügelfibel
Sachgruppe:
Kleidung (Zubehör, Fibeln)
Material:
Bronze (verzinnt)
Technik:
gegossen
Maße:
L: 3,2 cm

Beschreibung

Scharnierflügelfibel (Hülsenscharnierfibel).

Das charakteristische Merkmal dieser Fibelgruppe sind zwei (oder ausnahmsweise vier) vom Bügel seitlich abstehende flügel- oder knopfartige Fortsätze, welche sich auf beiden Seiten quer zum Bügel an dessen breitester Stelle befinden. Im Unterschied zu Knöpfen, die separat gearbeitet und aufgesteckt wurden, sind diese Fortsätze mit dem Bügel in einem Stück gegossen. Der Kopf wird stets durch ein breites Hülsenscharnier eingenommen. Wahrscheinlich waren alle Flügelfibeln ursprünglich verzinnt. Reste davon haben sich an den meisten Exemplaren erhalten (Riha).

Das vorliegende Exemplar gehört nach Riha zu der Typenvariante 5.7.6 (Scharnierflügelfibel mit Fortsätzen in der Mitte der Längsseiten eines längsprofilierten Bügels):
"Unter dieser Variante sind längsprofilierte Flügelfibeln zusammengefasst, die seitliche, oft weit hervorstehende Fortsätze in der Mitte der Bügelkanten aufweisen. Der Bügel ist im Gegensatz zu allen anderen Varianten verkürzt, quadratisch oder sogar breiter als lang und bildet zusammen mit den Flügeln einen profilierten Querbalken" (Riha, S. 130).

Die 3,2 cm lange Scharnierflügelfibel mit seitlichen Fortsätzen stammt nach dem Fundzusammenhang aus dem 1. Jh. n. Chr. - der Typ selbst ist auch im 2. Jh. n. Chr. noch üblich. Das Scharnier hat eine Eisenachse und eine durch eine Querrippe abgesetzte Kopfplatte. Der rechteckige, verzinnte Bügel besitzt eine Mittelrippe in Längsrichtung und seitliche, knopfartige Fortsätze. Der mit mehreren Querrippen verzierte Fuß endet in einem halbplastischen Endknopf über dem geschlossenen Nadelhalter.
Bis auf die Nadel vollständig erhalten.
Entsprechung: Gaspar Typ 29e; Riha Typ 5.7.6, etwa Nr. 888, Taf. 32, Heynowski, Typ 4.3.3.

Die Fibel wurde bei der Freilegung des Kreisgrabens des spätkeltischen Heiligtums in der römischen Verfüllschicht der Zeit um 70/80 n. Chr. im Graben gefunden (Reinheim, Flur "Auf dem Horres").

Bei Fibeln handelt es sich um Gewandspangen - mit ihnen wurden in der Antike Gewänder zusammengehalten. Sie gehörten sowohl bei Frauen als auch bei Männern zur alltäglichen Tracht und fanden dementsprechend allgemeine Verbreitung. Über ihre rein praktische Funktion hinaus waren sie in ihren stilistischen Ausformungen nach Typ und Aussehen wechselnden Modeerscheinungen unterworfen, weshalb sie sich sehr gut zur Datierung entsprechender Fundschichten und Fundzusammenhänge eignen.

Literatur

Reinhard, Walter: Kelten, Römer und Germanen im Bliesgau (=Denkmalpflege im Saarland, 3), Reinheim, 2010, S. 274, Abb. Nr. 267-7, 268, 270
Riha, Emilie: Die römischen Fibeln aus Augst und Kaiseraugst, 1979, S. 126f, 130f, Abb. Tafel 32, Werkverzeichnis Nr. etwa 888
Heynowski, Ronald: Fibeln. erkennen - bestimmen - beschreiben (=Bestimmungsbuch der Archäologie, 1), Berlin - München: Deutscher Kunstverlag, 2012, S. 134, Abb. Nr. 4.3.3