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Telefon

VSE-Stiftung


Herstellung: 1963

Merkmale

Institution:
Inventarnummer:
2018VSE3002
Anzahl:
1 Stück
Objektbezeichnung:
weitere Objektbezeichnung:
Tischfernsprecher der Post, Modell: "W48mT"
Sachgruppe:
Material:
Technik:
montiert (seriell/industriell gefertigt)
Maße:
Gesamt:
Höhe: 16 cm
Breite: 23.5 cm
Tiefe: 19 cm

Beschreibung

Tischfernsprecher der Deutschen Bundespost, Modell „W 48 mT“

Bei dem vorliegenden Exponat handelt es sich um einen Fernsprecher des Modells „W48 mT“ der Deutschen Bundespost aus dem Jahr 1963.

Das Telefon besitzt eine Wählscheibe und eine Gabel mit einem ergonomisch geformten Hörer, der mittels einer stoffumwickelten Schnur mit dem restlichen Gerät verbunden ist. Das ganz in schwarz gehaltene, massiv ausgeführte Gerät hat über einer schweren Bodenplatte aus Stahl ein Gehäuse aus Bakelit – auch die auf der Vorderseite zur Oberseite hin schräg angelegte Wählscheibe sowie der Hörer bestehen aus diesem Material. Im vorderen Bereich befinden sich eine weiße Erdtaste und ein kleines Feld zum Einfügen eines rechteckigen Zettels (für die eigene Telefonnummer o.ä.). Die auf der Bodenplatte aufgedruckte Ziffernbezeichnung "10.63" bedeutet die Vergabe dieses Gerätes durch die Post im Oktober 1963.

Der Tischfernsprecher „W 48“ war – nach dem vom der Firma SABA nur kurz produzierten Tischfernsprecher „W 46“ – das zweite deutsche Nachkriegstelefon, das 1948 für die Deutsche Post in den westlichen Besatzungszonen (ab 1950 Deutsche Bundespost) entwickelt und in sehr großen Stückzahlen gefertigt wurde. Die Firma Siemens & Halske war maßgeblich an seiner Konstruktion als Weiterentwicklung der bereits recht ähnlichen Vorgängermodelle „Modell 36“ und „W 38“ beteiligt. Auch diese hatte sie im Auftrag der Deutschen Reichspost zur Ablösung des noch älteren Standardmodells „W 28“ entwickelt. Die Ziffernbezeichnung entspricht hierbei dem Jahr der Entwicklung. Die Bezeichnung "mT" verweist auf das Vorhandensein der Erdtaste (es gab auch Geräte ohne diese Taste - diese hießen dann "oT").

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der „W 38“ in beiden Teilen Deutschlands für einige Zeit weiter unverändert produziert. In Westdeutschland (1948) und in Ostdeutschland (1958) wurden schließlich die leicht verbesserten Nachfolger („W 48“ und „W 58“) geschaffen. Der „W 48“ unterscheidet sich vom „W 38“ lediglich in der Form der Einsprache des Hörers – war diese beim „W 38“ trichterförmig, ist sie beim „W 48“ fast flach, da bei der trichterförmigen Version die Worte des Sprechenden schlechter verständlich waren, sobald er nicht exakt in den Trichter sprach. Alle Teile der Serien 38 und 48 sind ansonsten wechselseitig austauschbar. Ab etwa 1950 produzierten für etliche Jahre fast alle westdeutschen Telefonhersteller den „W 48“ in Lizenz für die Deutsche Bundespost. Die Geräte wurden hierbei nicht verkauft, sondern den Kunden gegen eine Nutzungsgebühr überlassen. Zwischen den verschiedenen Herstellern gab es nur geringe Unterschiede in der Ausführung - auch das technische Innenleben des „W 48“ blieb wie die äußere Form über die Jahre nahezu unverändert. Im Laufe der Zeit wurde lediglich der Zweispulenwecker durch eine preiswerter zu produzierende einspulige Variante ersetzt und die Anzahl der kreisförmig angeordneten Löchern in der Mikrofon-Einsprachkappe von anfänglich 22 auf 40 erhöht, um die Verständigungsqualität zu verbessern. Auch die Gabelschaltung für die Rückhördämpfung wurde mehrmals abgeändert. Wie bereits bei den Vorgängermodellen der Deutschen Reichspost, sind beim „W 48“ die elektrischen und mechanischen Bauteile auf einer Metallgrundplatte montiert und mit gebundenen Kabelbäumen frei verdrahtet worden. Standardmäßig wurde ein Gehörschutz-Gleichrichter aus zwei Selendioden im Telefonhörer eingebaut („Knallschutz“), um die lauten Geräusche zu unterdrücken, die z. B. beim Betätigen der Gabel und bei der elektromechanischen Vermittlungstechnik entstanden.

Die Standardfarbe des „W 48“ war schwarz, es gab ihn aber – wie zuvor die Modelle „W 28“, „W 38“ – weniger häufig auch in der Farbe Elfenbein. Sehr selten wurde er auch in anderen Farben, z. B. in grau, braun oder dunkelgrün, produziert. Die Ziffern auf der Trägerscheibe der schwarzen Modelle sind wie bei dem vorliegenden Exponat in der Regel weiß. Als Varianten gab es den „W48“ für große und kleine Telefonanlagen, ausgestattet mit Erdtaste, Schauzeichen und Nebenstellentasten zur Handvermittlung.

1963 entwickelte die Deutsche Bundespost den „Fernsprech-Tischapparat 61“ (FeTAp 61), ein technisch und optisch neuartiges, Telefon aus Kunststoff. Da diese neuen Geräte aber vorerst noch nicht für eine A2-Schaltung geeignet waren, wurden bis 1967 noch die Modelle „W 48a“ oder „W 49a“ benötigt und verwendet. Erst der „FeTAp 61“ machte das Telefon in der Bundesrepublik Deutschland von einem Luxusobjekt zu einem selbstverständlichen Gebrauchsgegenstand und löste in der Folge die älteren Typen ab.