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Altarretabel

Wundersame Orte


Herstellung: von bis

Merkmale

Institution:
Inventarnummer:
2015SMK0077
Anzahl :
1 Stück
Objektbezeichnung:
Altarretabel
weitere Objektbezeichnung:
Altarretabel
weitere Objektbezeichnung:
Fragment eines Altaretabel in der katholischen Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt
Ikonografie:
Material:
Maße:
H: 79 cm, B: 218 cm, T: 25 cm

Beschreibung

Etwas Besonderes ist die Gestaltung des Mittelteils dieses Retabels mit einer Reliefdarstellung der Pieta. Ein Hinweis darauf, dass Marpingen immer schon eine Marienkirche hatte.
Bis zum Abriss der Vorgängerkirche im Jahre 1902 wurde das Retabel entsprechend seiner Bestimmung als steinerner Altaraufsatz verwendet. Heute ist die Reliefplatte in die Südmauer unter einem Fenster der neugotischen Kirche eingelassen und hat dort durch einen Setzriss erheblichen Schaden genommen.
Das querrechteckige Sandsteinretabel ist aus einem Stück gearbeitet. Es ist durch vier Fialen, die mit Blendwerkarchitektur, Krabben und Kreuzblumen verziert sind sowie mit Kreuzblumen bekrönten Kielbögen in drei Nischen untergliedert.
In der linken wie auch der rechten Nische stehen je zwei mit Attributen ausgestattete Heiligenfiguren. Vom Betrachter aus gesehen links außen ist der Heilige Antonius, der Eremit dargestellt. Er trägt einen gegürteten Rock und eine Kappa mit Kapuze. In der rechten Hand hält er das sogenannte Antoniuskreuz (Tau-Stab) und ein Glöckchen, das auf sein Recht, Almosen für seine Spitäler zu sammeln, hinweist. Die Linke trägt das Buch mit den Ordensatzungen. Als Helfer gegen ansteckende Krankheiten wie das Antoniusfeuer, das Mensch und Tier befallen konnte, und Viehseuchen wie den Rotlauf, führt er als weiteres Attribut ein kleines Schwein, das zu seinen Füßen dargestellt ist. Rechts neben ihm steht der Hl. Stephanus in der Tracht eines Diakons. Er trägt als Zeichen des Martyriums die Palme und als Hinweis auf sein geistliches Amt das Evangelienbuch. Im rechten Feld steht zunächst die HL. Katharina mit Krone, Schwert und Rad; auch sie ist eine Märtyrerin. Dicht neben ihr am äußeren Rand ein bislang unbekannter geistlicher Würdenträger mit Mitra und Krummstab. Es sind ihm keine weiteren Kennzeichen beigegeben, die auf einen bestimmten Heiligen hindeuten. Vermutet werden darf, dass es sich um den Abt des Klosters Tholey handelt, zu dem Marpingen bis in die Neuzeit gehörte. Vieles spricht aber auch für den Hl. Kuno, den designierten, aber von den Bürgern Triers abgelehnten und 1066 in Ürzig enthaupteten Erzbischof, den Bischof Theoderich von Verdun in einer Grabkapelle neben der Abtei Tholey bestatten ließ. Er wurde viele Jahrhunderte als Hl. Märtyrer verehrt, und vor allem auch die Marpinger pilgerten bis ins 18. Jahrhundert zu seinem Grab.
Das vorhandene Retabelfragment war ursprünglich Teil eines Altaraufbaus (ein ähnliches Stück befindet sich in der Pfarrkirche Medelsheim, Bliesgau (- es ist in voller Länge erhalten und farbig gefasst.) Die Vorbilder für diese Altargestaltung kommen ursprünglich aus Lothringen und dem Burgund.

Literatur

Bungert, Wilhelm: Heimatbuch Marpingen 1980, St. Wendel: St. Wendeler Buchdruckerei und Verlag.

Kath. Kirchengemeinde Marpingen (Hrsg.): Kirchenführer der katholischen Pfarrkirche Maria Himmelfahrt, Marpingen. Festschrift anläßlich der Erbauung und Einsegnung der neuen Pfarrkirche, Saarbrücken.

Kreisverwaltung St. Wendel (Hrsg.): Heimatbuch des Kreises St. Wendel, St. Wendel: Buch und Druckhaus Roth Oktober 1948.