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"Regulator"

Museum Handwerkerhof


Herstellung: um 1850
in: Ottweiler

Merkmale

Inventarnummer:
2017HWO0114
Anzahl:
1 Stück
Objektbezeichnung:
Pendelwanduhr
weitere Objektbezeichnung:
"Regulator"
Sachgruppe:
Maße:
Gesamt: B: 41,5 cm, T: 18 cm, H: 70 cm

Beschreibung

Pendelwanduhr ("Regulator")

Bei dem vorliegenden Exponat handelt es sich um eine 41,5 cm breite und rund 70 cm hohe kastenförmige Pendelwanduhr, die vermutlich um die Mitte des 19. Jh. im historistischen Stil hergestellt wurde und vom Typ her (fälschlich bzw. fachlich ungenau) allgemein als "Regulator" bezeichnet wird. Von der Bauart her ist sie ein sogenannter "Freischwinger des Typus B". Das ist eine Wanduhr mit einem Federantriebeinem und einem Pendel, das frei unterhalb des Uhrenkastens schwingt. Das Uhrwerk mit einem Zifferblatt ist in einem eckigen Holzgehäuse - im vorliegenden Fall mit historisierenden Schnitzereien und einem "architektonischen Aufbau" (mit Sockelzone, seitlichen Halbsäulen bzw. Pilastern mit Basis und "Kapitell", Gebälk mit Fries und Gesims) - untergebracht. Das Pendel wird durch einen schmalen Schlitz im Gehäuse nach unten geführt, so dass er unterhalb des Kastens "freischwingen" kann.

Allgemein zu Regulatoren/Wanduhren:
Der Begriff "Regulator" kann in der Uhrentechnik - da er vom Zeitwort regulieren abstammt - mehrere Apparaturen beschreiben: beispielsweise eine genau gehende Pendeluhr (Präzisionsregulator), einen Regler in Schlagwerken, eine Armbanduhr mit Regulator-Zifferblatt und eine kastenförmige Pendelwanduhr. Ein Regulator war ursprünglich eine äußerst sorgfältig konstruierte Uhr mit geringstmöglicher Fehlweisung, nach der der Uhrmachermeister seine andren Uhren einregulierte, also einstellte. Der echte Regulator im eigentlichen Wortsinn hatte ein spezielles Regulator-Zifferblatt, bei dem der Minutenzeiger ein großes Zifferblatt beherrschte, während die Stunden- und Sekundenzeiger auf eigenen kleineren Hilfszifferblättern kursierten. Der Begriff wird allerdings seit einiger Zeit fälschlich für viele normale Wanduhren einfacher Bauart verwendet. Die Kriterien, die eine Wanduhr als Regulator definieren, sind somit weniger die Leistungs- und Ausstattungsmerkmale dieser Wanduhr, sondern vielmehr die Form des Uhrengehäuses und die Art der Unterbringung der Uhrenkomponenten in diesem Gehäuse. So kann eine Wanduhr prinzipiell als Regulator bezeichnet werden, wenn das Uhrwerk mit Zifferblatt zusammen mit Antrieb und Pendel in einem meist hochrechteckigen Uhrengehäuse hinter einer Tür mit Glaseinsatz untergebracht ist. Diese Uhren wurden zwischen etwa 1850 und 1940 vor allem in Deutschland, Frankreich und Österreich in großer Zahl von zahlreichen Firmen industriell produziert. Die Gestaltung des Uhrengehäuses hat sich je nach Fertigungszeit den jeweiligen vorherrschenden Kunst-Stilen angepasst. So gibt es etwa den Regulator des Historismus mit aufwendigem Zierrat, den Jugendstil-Regulator mit Blumendekor und den Art-déco-Regulator mit seinen klaren geometrischen Formen. Zeitlich parallel zu den jeweiligen Stilrichtungen werden bis heute Regulatoren produziert, deren Formgebung sich nach den Kriterien der modernen Sachlichkeit und des Zweckstils richtet.
Die Komponenten des Uhrwerks, wie der Antrieb, das Pendel und die Hemmung sind bei all diesen Uhren meist nicht hinsichtlich hoher Ganggenauigkeit optimiert, für den Hausgebrauch reichte die Ganggenauigkeit im besagten Zeitraum jedoch aus und lag zudem über der vieler älterer Uhrenmodelle. Die überwiegende Zahl der Regulatoren verfügt über Federantrieb, Ankerhemmung und ein relativ kurzes Pendel. Das Pendel wurde oft als Kompensationspendel aus mehreren Stäben unterschiedlicher Metalle gefertigt. Häufig stehen auf der Pendellinse des Regulators die Buchstaben "A" und "R" (für avancer und retarder = Beschleunigen und Verlangsamen) als Anleitung zum genauen Einstellen durch entsprechendes Verschieben der Pendellinse. Oftmals befindet sich an der Rückseite des Gehäuses auch eine Skala, an der man den Pendelausschlag ablesen kann. Bei späteren Regulatoren verwendete man auch Pendelstäbe aus Holz, das durch einen speziellen Lack dazu gebracht werden sollte, sich nicht mehr durch Feuchtigkeitsaufnahme oder -abgabe zu verändern. Zur Ausstattung des Regulators zählt in den meisten Fällen ein Schlagwerk. Das Standardschlagwerk besitzt in der Regel den Halbstundenschlag, kann allerdings auch Schlagwerke mit lediglich Stundenschlag, Dreiviertelstundenschlag oder Westminsterschlag aufweisen. Regulatoren waren seit Ende des 19. Jh. bis in die 1930er-Jahre beliebte Einrichtungsstücke der "guten Stube" und wurden oft passend zu den Möbeln ausgewählt. Dementsprechend finden sich die in dieser Zeit produzierten Modelle noch heute in vielen Familien als "Erbstück".
Allgemein zu Pendeluhren:
Die Pendeluhr (Pendule) ist eine Uhr, deren Taktgeber ein mechanisches Pendel ist. Die Schwingung des Pendels gibt den Zeittakt vor, ein ca. 1 m langes Pendel schwingt in 1 Sekunde von einer Seite zur anderen - je kürzer das Pendel ist, umso öfter schwingt es pro Sekunde. Galileo Galilei formulierte um 1637/40 das Pendelgesetz und erdachte das Prinzip der Freien Hemmung. Pendeluhren wurden jedoch erst im Folgenden konstruiert: Galileos Sohn Vincenzo versuchte sich an den Bau einer Pendeluhr, 1657 befasste sich Christiaan Huygens mit Theorie und Bauart der Pendeluhr mit Spindelhemmung; die erste funktionstüchtige Pendeluhr nach diesem Prinzip und mit einer Gangabweichung von etwa 10 Sekunden am Tag - ein Wert, der erst 100 Jahre später durch den Briten John Harrisons auf 1 s verbessert wurde - baute im gleichen Jahr Salomon Coster .
Das Prinzip der Pendeluhr beruht darauf, dass ein schwingendes oder rotierendes Pendel bei jedem Durchgang an einem bestimmten Punkt seines Wegs eine Aktion im Uhrwerk auslöst, wodurch die Zeitanzeige weitergeschaltet wird; am häufigsten geschieht dies durch Steigrad und - seit ca. 1680 - Ankerhemmung. Außerdem erhält das Pendel vom Uhrwerk oder einem anderen Antrieb einen Impuls (Hebung), damit die Schwingung trotz des Energieverlustes durch Reibung aufrechterhalten bleibt. Das Gleichmaß der Pendelbewegung, eine gleichmäßige Impulsübertragung vom Uhrwerk auf das Pendel sowie eine reibungsarme Auslösung des Uhrwerks ist bestimmend für die Ganggenauigkeit der Uhr, so dass in der Folgezeit durch konstante Verbesserungen und Entwicklungen die Reibung der Pendelaufhängung durch Achatlager reduziert, das Schlingern durch Pendelfedern gemindert, die gleichmäßige Kraftübertragung auf das Pendel über eine Pendelstange verbessert und der Luftwiderstand durch stromlinienförmige Pendellinsen gemindert wurde. Auch sich ändernde äußere Einflüsse auf die Schwingungsdauer wie Temperatur, Luftdichte und -feuchtigkeit konnten durch den Einbau von Kompensationen ausgeglichen werden. Die Justierung der Schwingungsdauer von Pendeluhren erfolgt nach wie vor durch Verändern der wirksamen Pendellänge (nach: wikipedia).