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2017HWO0085

Museum Handwerkerhof


Herstellung: um 1900
in: Ottweiler

Merkmale

Inventarnummer:
2017HWO0085
Anzahl:
1 Stück
Objektbezeichnung:
Mechanische Flach-Strickmaschine
Signatur:

nummeriert

Maße:
Gesamt: B: 212 cm (max.), T: 60 cm (max.), H: 109 cm

Beschreibung

Mechanische Flachstrickmaschine

Bei dem vorliegenden Exponat handelt es sich um eine mechanische Flachstrickmaschine der Chemnitzer Firma "Seyfert & Donner Strickmaschinen-Fabrik Chemnitz".

Zu Strickmaschinen allgemein:
Eine Strickmaschine dient dem maschinellen und automatisierten Stricken. Unterschieden werden Flachstrickmaschinen und Rundstrickmaschinen.
Die erste handbetriebene Flachstrickmaschine wurde 1863 von Isaac William Lamb in Amerika eingesetzt, wodurch eine schnelle Fertigung von Schlauch- und rechts/rechts-Strickwaren möglich wurde. In den Folgejahren wurde die Maschine von Henry J. Griswold u. A. weiterentwickelt und zur Herstellung von Socken und Strümpfen auch mit gerippten Strukturen eingesetzt. Im Jahre 1867 erwarb Henri Edouard Dubied das Patent und begann - zeitgleich wie in Deutschland und Frankreich (Laue und Timaeus) - mit dem Bau von Strickmaschinen. Nach der Einführung der Doppelzungennadel war es ab 1881 möglich, auch links/links-Ware zu produzieren - durch die 1888 erfolgte Erfindung (G. F. Grosser) des Schlauchschlosses (Verfahren zur Fersenbildung) ließen sich fortan vollständige Strümpfe und Socken auf einer Strickmaschine hergestellen.
Elektromotor-Flachstrickmaschinen haben ab Anfang der1880er-Jahre auch für kleinere Betriebe zunehmend Bedeutung erlangt. Zunächst waren diese Maschinen halbautomatisch und Arbeitsschritte wie Erweitern oder Mindern mussten weiterhin von Hand ausgeführt werden - ab 1910 lösten automatische Längen-Maschinen die handbetriebenen Flachstrickmaschinen gänzlich ab. Allerdings musste der Strumpffuß zunächst mit Hilfe von Anfußmaschinen hergestellt und anschließend im Rundstrickverfahren an die maschinell gefertigten Strumpflängen angesetzt werden ("Standard-Strümpfe"). Vielerorts blieb dieses Herstellungsverfahren flachgestrickter Strumpflängen mit separat angestrickten Füßen noch bis in die 1970er-Jahre bestehen. Seit den 1950er-Jahren gab es auch für Heim- und Hobbystricker kleine mechanische Strickmaschinen, seit den 1970er Jahren wurden elektrische, später auch computergesteuerte Heimstrickmaschinen produziert. Allerdings müssen - im Gegensatz zu Industriemaschinen - Arbeiten wie Anpassen, Zusammennähen sowie Vernähen der Fäden weiterhin per Hand gemacht werden. Je nach Dicke der Garne unterscheidet man Grob-, Mittel,- Fein-, und Superfeinstricker mit einer Nadelanzahl von 180 bis 240.

Zur Firma Seyfert & Donner":
Die Firma wurde 1875 als "Seyfert & Donner KG" in Chemnitz gegründet. Sie stellte in erster Linie mechanische Flachstrickmaschinen her. Nach dem 2. Weltkrieg (1946) erfolgte die Firmenenteignung und Überführung in Volkseigentum (Verstaatlichung). Nachfolger war der "VEB Strickmaschinenbau Chemnitz".

Zur vorliegenden Maschine:
Bei der vorliegenden Flachstrickmaschine handelt es sich um eine Doppelbett-Strickmaschine, die bei einer maximalen Breite von über zwei Metern ca. 250 Nadeln pro Nadelbett aufweist. Damit ist sie als sog. "Feinstricker" bzw. "Superfeinstricker" zu bezeichnen. Die im Gestell eingeprägte Betitelung "S & D 19" könnte auf das "Modell XIX" verweisen, welches um die Jahrhundertwende (19./20. Jh.) hergestellt wurde. Die zur Gänze aus Metall bestehende Maschine besitzt ein Gestell, auf dem die beiden parallel verlaufenden Nadelbette gelagert sind. Mit einem langen Hebel ließ sich die Maschine per Hand bedienen. Ein externes Gestell mit mehreren vertikalen und horizontalen Stiften diente der Bereitstellung der zur Verarbeitung benötigten Wolle.