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Fußbetriebene Nähmaschine der Firma "Singer"

Museum Handwerkerhof


Herstellung:
von: Singer als Hersteller
in: Ottweiler

Merkmale

Inventarnummer:
2017HWO0105
Anzahl:
1 Stück
Objektbezeichnung:
Mechanische Nähmaschine
weitere Objektbezeichnung:
Fußbetriebene Nähmaschine der Firma "Singer"
Signatur:

nummeriert (Gestell: C 2947745)

Maße:
Gesamt: B: 87 cm, T: 42 cm, H: 100 cm (ausgeklappt)

Beschreibung

Mechanische/fußbetriebene Nähmaschine der Firma "Singer"

Bei dem vorliegenden Exponat handelt es sich um eine Nähmaschine der Firma "Singer Manufacturing Company".

Zur Firma "Singer":
Die US-amerikanische Firma "I.M. Singer & Company" wurde im Jahr 1851 von Isaac Merritt Singer und Edward Clark als Nähmaschinenfabrik in Boston gegründet und entwickelte sich innerhalb von zwei Jahren zum führenden Nähmaschinenhersteller der USA. 1853 erfolgte die Umbenennung in "Singer Manufacturing Company" und es entstanden in New York City eine neue Unternehmensverwaltung und neue Fabrikationsanlagen. Zwei Jahre später gewann die Singer Nähmaschine bei der Weltausstellung 1855 in Paris den ersten Preis - zugleich stieg die Firma mit einem Weltmarktanteil von zeitweise bis zu 80 %zur weltweit erfolgreichsten Nähmaschinenfabrik auf. In den folgenden 80 Jahren wurden Büros und Fabrikationswerke in Hamburg und Wittenberge (1903), Glasgow und Kilbowie (Schottland), Montreal und Saint John (Kanada), Florisdorf (Österreich), Podolsk und St. Petersburg (Russland), Monza (Italien), Bonnières-sur-Seine (Frankreich) und Campinas (Brasilien) eröffnet. Singer entwickelte 1889 die erste funktionierende elektrische Nähmaschine, 1921 die erste tragbare Nähmaschine und 1978 die erste computergesteuerte Nähmaschine. Der Unternehmensname wurde 1963 in "The Singer Company" umgewandelt. Singer übernahm in der Folgezeit mehrere Elektronik- und Büromaschinenunternehmen und beschäftigte Anfang der 1970er-Jahre weltweit 120.000 Mitarbeiter. Heute gehört die Firma zum Unternehmen "SVP Worldwide" auf den Bermudas.
Die meisten in Deutschland verkauften Maschinen stammten seit 1903 aus dem Werk in Wittenberge. Es war von 1903 bis zu seiner staatlichen Liquidation im Jahre 1992 die modernste Nähmaschinenfabrik der Welt und der erfolgreichste Nähmaschinenproduzent in West- und Mitteleuropa.

Zu Nähmaschinen allgemein:
Die Nähmaschine dient zur mechanischen Herstellung einer Naht innerhalb eines Gewebes - hierzu werden ein oder mehrere Fäden (Nähgarn) durch Nähen miteinander verknüpft, wobei der sogenannte Oberfaden zuvor mit einer Nadel durch das Gewebe/Nähgut geschoben wird. Ein Greifer übernimmt danach einen Teil des zunächst an der Nadel anliegenden Oberfadens; dieser muss dem Greifer zuvor zugänglich gemacht werden. Das erfolgt meist durch den Schlingenhub, eine Nadelbewegung, die nach dem unteren Totpunkt der Nadel in Richtung Ausstich erfolgt und den Faden von der Nadel löst. Um die folgende Verschlingung zu bewerkstelligen, gibt es - gemäß der verschiedenen technischen Möglichkeiten - mehrere Maschinentypen, etwa die Doppelsteppstichmaschine, die Kettenstichmaschine oder die Überwendlichmaschine. Es gibt weitere Unterscheidungen nach den unterschiedlichen Typen. Die Grundform der Nähmaschine ist die rechtsständige Flachbettnähmaschine. Für besondere Arbeitsgänge sind entsprechende Nähmaschinenformen entwickelt worden, die wie folgt zu unterscheiden sind: Flachbett-, Sockel-, Säulen-, Freiarm- und Blocknähmaschine. Es wurden auch vereinzelt linksständige Nähmaschinen gebaut, und die Armmaschine unterteilt sich in Freiarm-, Armabwärts- und Armaufwärtsnähend. Die Säulenmaschine gibt es in mehreren Säulenhöhen und -konstruktionen sowie mit drehbarer Kurbelsäule in verschiedenen Ausführungen. Zunächst mechanisch mittels einer Handkurbel oder durch ein Fußpedal angetrieben (industriell auch mittels Transmission), gab es seit 1890 auch elektrische Nähmaschinen. Die meisten Industrienähmaschinen wurden und werden mit einem vierbeinigen Eisengestell und einer darauf befestigten Tischplatte zu einer auf dem Fußboden stehenden transportablen Näheinheit montiert. Der elektrische Antriebsmotor befindet sich dabei oft unter der Tischplatte, die Kraftübertragung erfolgt dann - wie beim mechanischen Fußantrieb - über Keilriemen. Nach mehreren Vorläufern entstanden die ersten arbeitsfähigen Nähmaschinen Ende des 18. Jhds. in England (Kettenstichmaschine für Leder von Thomas Saint) und ab 1800 in Deutschland - der erste Nähmaschinenfabrikant der Welt war der Franzose Barthélemy Thimonnier, der das1830 patentierte Nähmaschinengrundmodell "Couseuse" in Paris in Serie produzieren ließ. Obwohl der US-Amerikaner Elias Howe bis 1846 die Doppelsteppstichnähmaschine erfunden hatte, produzierte erst die Firma Singer ab 1851 diese Maschinen serienmäßig.

Zum vorliegenden Modell:
Bei dem vorliegenden Gerät handelt es sich um das Exemplar einer Geradstich-Flachbett-Nähmaschine des Modells 15 (auch genannt: Klasse 15), welche nach der Seriennummer von der "Singer Manufacturing Company" im deutschen Werk in Wittenberge im Jahre 1926 hergestellt wurde. Die Maschine lässt sich in dem Tisch bzw. in dem hölzernen Unter-Gestell unterbringen und bei Bedarf ausklappen. Sie besitzt sowohl Fuß- als auch Handantrieb. Ein Lederriemen überträgt die durch die eiserne Fußwippe erzeugte Kraft auf die Drehspindel. Dieses im Aufbau und seinen technischen Funktionsweisen ausgereifte Modell wurde seit 1895 und für mehrere Jahrzehnte (mit ständigen Weiterentwicklungen) produziert und äußerst erfolgreich vertrieben. Der technische Komfort wurde bei dem Nachfolgemodell Kl. 15/88 um das Rückwärtsnähen erweitert.
Die Maschine hat eine stabile und leichtgängige Mechanik - sie läuft völlig gleichmäßig, da es keinen mechanischen Schwerpunkt, der ihren Lauf abbremsen könnte, gibt. Sie besitzt einen CB-Greifer und das Nadelsystem 705. Dieser Greifer-Typ löste den bei den älteren Maschinen der "Improved Family"-Reihe (1878 - 1895) verwendeten Ringschiffchen-Greifer ab. Des Weiteren weist sie bereits eine Lockerung der Fadenspannung beim Anheben des Füßchens und eine Vorrichtung zum Motor-Anbau auf. Mit dem klassischen Modell 15 war allerdings noch kein Rückwärtsnähen möglich.