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"Gestetner - Modell 260"

Museum Handwerkerhof


Herstellung: von bis
von: Gestetner als Hersteller
in: Ottweiler

Merkmale

Inventarnummer:
2017HWO0084
Anzahl:
1 Stück
Objektbezeichnung:
Elektrische Maschine zum Kopieren und Vervielfältigen
weitere Objektbezeichnung:
"Gestetner - Modell 260"
Sachgruppe:
Büromaterialien (Büromaschinen, Kopierer)
Signatur:

nummeriert (Rahmen: 631442)

Technik:
Metalltechnik (und Maschinenbau und Elektrotechnik)
Maße:
Gesamt: B: 58 cm, T: 41 cm (aufgeklappt 70 cm), H: 120 cm (mit Schrank)

Beschreibung

Elektrische Maschine "Gestetner Modell 260" zum Kopieren und Vervielfältigen

Bei dem vorliegenden Exponat handelt es sich um ein Schablonen-Vervielfältigungsgerät der englischen Firma "Gestetner" mitsamt einem Maschinen-Unterbau aus grau-gehämmertem Metall, der als Schrank mit drei Schubladen für Vervielfältigungszubehör konzipiert ist. Höhenverstellbare Standfüße konnten Unebenheiten des Fußbodens ausgleichen. Das "Modell 260" war das Nachfolgemodell des Typs "Modell 230" und wurde in den 1950er- und 1960er-Jahren produziert. Wie alle Modelle seit der "Gestetner 66" basiert auch dieses Modell auf dem stromlinienförmigen Entwurf des französisch-amerikanischen Industriedesigners Raymond Loewy. Dieser war im Jahr 1929 von der Firma "Gestetner" damit beauftragt worden, das Aussehen ihres Mimeographen zu verbessern. Die Maschine arbeitete nach dem Prinzip der Schablonenvervielfältigung (vgl. unten). Ein Auflagezählwerk ließ sich von 1 - 10000 Drucke voreinstellen, die Druckgeschwindigkeit ließ sich von 30 bis 140 Abzüge in der Minute wählen, weitere Einstellräder gestatteten das Verstellen des Druckbildes in senkrechter und waagerechter Richtung auch während des Betriebes sowie die gleichmäßige und automatische Einfärbung eines jeden Druckes. Die Druckfarbe kam dabei aus eingesetzten Tuben. Die Papierzufuhr war automatisiert, der Papierauffang für verschiedene Papiergrößen einstellbar. Die Schablonen konnten mittels einer speziellen Aufhängung rasch und sauber an dem Druckzylinder befestigt und von diesem gelöst werden.

Zur Firma und Maschine "Gestetner":
Im Jahr 1881 gründete der gebürtige Ungar David Gestetner in London die Firma "Gestetner Cyclograph Company" und entwickelte patentierte Kopier- und Vervielfältigungsmaschinen. David Gestetner arbeitete zuvor an der Wiener Börse und hatte täglich die Börsenberichte abzuschreiben - aus dieser Tätigkeit entwickelte er den ersten Kopierer, bei dem anstatt auf Papier auf eine Wachsschablone geschrieben wurde und diese als Kopiervorlage verwendet wurde. Als Nachfolger führten sein Sohn und später seine Enkel die Firma weiter. Nach der Übernahme anderer Betriebe wurde die Firma zu einer Holdinggesellschaft namens "NRG", bevor sie selbst 1996 von der japanischen "Ricoh Company" aufgekauft wurde und in "NRG Group PLC" umbenannt. 2007 wurde die Gestetner Group in Europa zu "Ricoh Europe".

Auch die produzierten Vervielfältigungsmaschinen wurden unter dem Produktnamen "Gestetner" vertrieben. Das mechanische Vervielfältigen mittels einer Kopiermaschine revolutionierte die in Büros notwendigerweise anfallenden Prozesse des Vervielfältigens. Die Maschinen arbeiteten mit Hilfe von Stift und Schablone sowie wachsbeschichtetem Papier nach dem Prinzip der Mimeographie. Diese ist ein Siebdruckverfahren, bei dem aus einem Fasergewebe beispielsweise durch Druck von Lettern eine farbstoffundurchlässige Schicht entfernt wird. Diese Matrize dient als spiegelbildliches Zwischenoriginal und wird auf einen Druckzylindergespannt, der an den Stellen, wo die farbstoffundurchlässige Schicht entfernt wurde, Druckfarbe aufnehmen und auf das zu bedruckende Papier pressen kann. Die technische Weiterentwicklung führte dementsprechend auch dahin, dass die Schablonen um rotierende Rollen angebracht wurden und - ähnlich dem Prozess des Offset-Druckverfahrens - der Druckvorgang durch Drehen der Rollen von statten ging. Bei jeder kompletten Rotation der Zylinder wurde ein Blatt bedruckt. Die bekannteste Gestetner-Maschine war das "Modell 66", dessen Äußeres von dem Industrie-Designer Raymond Loewy gestaltet worden war