zurück

Stoßlanzenspitze

Europäischer Kulturpark Reinheim


Herstellung: von bis

Merkmale

Inventarnummer:
2013REI0315
Anzahl :
1 Stück
Objektbezeichnung:
Speer- / Lanzenspitze
weitere Objektbezeichnung:
Stoßlanzenspitze
Material:
Technik:
gegossen
Maße:
B: 6,3 cm, L: 36 cm

Beschreibung

Lanzenspitze.

Das mittellatènezeitliche Hügelgrabes 7 der Nekropole "Am Furtweg" barg eine Brandbestattung eines Kriegers der keltischen Führungsschicht (280 - 150 v. Chr.). Zum Grabinventar gehörte u. a. eine eiserne Lanzenspitze, welche aus rituellen Gründen verbogen und mit der Tülle in Richtung Norden deponiert worden war. Durch die Unbrauchbarmachung der Waffen vor der Verbrennung/Bestattung glaubte man, den Kriegsgott beeinflussen und dem Verstorbenen den als männliches Ideal verherrlichten Status des Kriegers auch im Jenseits bewahren zu können. Dieser rituelle Brauch ist auch aus anderen keltischen Gräbern und Heiligtümern derselben Zeitstellung bekannt und lässt zusammen mit der Übereinstimmung der Grabbeigaben (Schwert, Stoßlanze, Schildbuckel, Fibel) auf ein stark reglementiertes Totenritual schließen.

Bei der Speerspitze handelt es sich um eine 36 cm lange eiserne Spitze einer Stoßlanze mit einseitig geflammtem, weidenblattförmigem Blatt. Die Spitze wurde mittels einer Tülle mit dem nicht erhaltenen hölzernen Lanzenstil geschäftet.

Das Blatt ist (rituell) verbogen; die meisten Korrosions - und Verbrennungsspuren (Abplatzungen der Eisenoxidschicht, Blasen, Zunderschicht, Hämatitverfärbungen) konnten durch die aufwendige Restaurierung jedoch beseitigt werden.

Eine Lanze ist eine als Stich-/Stoßlanze konzipierte Stangenwaffe, die im Normalfall über eine Spitze verfügt. Die Gesamtlänge beträgt meist zwischen zwei und dreieinhalb Meter, spezielle Lanzentypen erreichen aber eine Länge von bis zu acht Metern. Der Schaft ist im Regelfall aus Holz. Die Lanze gilt als älteste Distanzwaffe der Menschheitsgeschichte und wurde bereits im Mittelpaläolithikum entwickelt, führte als Weiterentwicklung dann zum Speer als Fernwaffe, der ebenfalls mehrere hunderttausend Jahre alt ist.

Mit Beginn der Eisenzeit tritt das Volk der Kelten erstmals in den Blickpunkt der Geschichte. Nach zwei Fundorten (Hallstatt in Österreich und La Tène in der Schweiz) wird die Eisenzeit in die Hallstatt- (800 - 480 v. Chr.) und die Latènezeit (480 - 25 v. Chr.) untergliedert. Nachdem die Sitte der Hortdeponierungen am Ende der Bronzezeit unvermittelt erlosch, wurden in der folgenden Hallstattzeit die Statussymbole der Führungsschicht wieder in den Gräbern beigegeben. Im frühen 3. Jh. v. Chr. wurde die Körperbestattung wieder mehr und mehr von der Brandbestattung abgelöst. Die (adligen) Verstorbenen wurden in ihrer Kleidung und oftmals zusammen mit ihren Waffen und geweihten Tieren auf einem Scheiterhaufen verbrannt. Der Leichenbrand wurde in einem Behälter deponiert und die geborgenen Habseligkeiten mit ins Grab gelegt.

Literatur

Reinhard, Walter: Kelten, Römer und Germanen im Bliesgau (=Denkmalpflege im Saarland, 3), Reinheim, 2010, S. 318-331, 332-341, Abb. Nr. 300-323
Berwanger, I. / Isabel Jung / Walter Reinhard: Keltisches Kriegergrab aus Reinheim (=AiD, 2), 2009, S. 52