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Spekulatiusform

Saarländisches Bäckereimuseum


Herstellung: 2. Hälfte 19. Jahrhundert

Merkmale

Inventarnummer:
2008SBM0384
Anzahl :
1 Stück
Objektbezeichnung:
Backmodel
weitere Objektbezeichnung:
Spekulatiusform
Ikonografie:
Material:
Maße:
H: 7 cm, B: 4,8 cm, T: 1,5 cm

Beschreibung

Kleiner dunkelbrauner Model aus Holz für Kinder zum Backen von Spekulatius (Gebäck aus Mürbeteig, in Deutschland ein typisches Weihnachtsgebäck); mit der Darstellung des Struwwelpeter. Die untersetzte Figur steht frontal und breitbeinig auf einer etwas gewölbten Standfläche. Spitz gezackte Locken überwuchern den Kopf. Große, runde Augen, ein vertikaler Strich als Nase und herabhängende Mundwinkel kennzeichnen die Gesichtspartie. Von den abgespreizten Armen und Händen ragen extrem und unnatürlich lange Fingernägel heraus. Ein breiter, knielanger Reifrock, der mit vier vertikalen Bändern versehen ist, wird von einem dicken horizontalen Wulstring unten eingefasst.
Der "Struwwelpeter" gehört zu den bekannesten deutschen Kinderbüchern. Es stammt von dem Frankfurter Arzt, Psychiater und Kinderbuchautor Heinrich Hoffmann (Frankfurt a. M. 1809 - 1894). Die erste Fassung erschien 1845, eine spätere veränderte Ausgabe wohl 1858. Die Entstehungsgeschichte klingt kurios: Da Hoffmann kein geeignetes Weihnachtsgeschenk für seinen dreijährigen Sohn fand, verfasste er selbst die Geschichten und erfand den Struwwelpeter und weitere Figuren. Die Geschichten handeln von nicht braven Kindern, die allerlei Unheil anrichten und zerstörerisch in die Erwachsenenwelt eingreifen.
Die Model wurden häufig aus Birnbaumholz hergestellt. Ebenfalls wurden die Hölzer von Nussbaum, Fichte, Buche und Ahorn verwendet. Seit dem späten 18. Jahrhundert benutzten die berufsmäßigen Modelstecher wegen der Ebenmäßigkeit des Holzes häufiger Buchsbaum. Für Kopien alter Model, die nicht mehr zum Gebrauch verwendet werden, sondern als reine Zierobjekte dienen, kommt das leicht zu bearbeitende Lindenholz in Betracht. Das Bild wurde mit Schnitzmesser, Hohleisen und Grabstichel in das Holz geschnitzt, später auch gefräst.

Literatur

Hörandner, Edith: Model. Geschnitzte Formen für Lebkuchen, Spekulatius und Springerle, München: Callwey, 1982
Kürth, Herbert: Kunst der Model. Kulturgeschichte der Back- und Hohlformen, Gütersloh: Prisma Verlag, 1981
Walzer, Albert: Liebeskutsche, Reitersmann, Nikolaus und Kinderbringer. Volkstümlicher Bilderschatz auf Gebäckmodeln, in der Grafik und Keramik, Konstanz-Stuttgart, 1963
Knittel, Elke: Modelschätze, Tübingen: Silberburg-Verlag, 2005